JÜTERBOG - Nun hat auch die Wirtschaft im Kreis Teltow-Fläming eine Datenpanne. Durch ein Sicherheitsleck auf der Internetseite „wirtschaftstag-tf.de“ waren teilweise interne Daten von rund 40 Unternehmen aus der Region frei verfügbar.
Es geht um die originalen Bewerbungsbögen der Firmen für den Wirtschaftspreis Teltow-Fläming 2009. Diesen hatten die Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SWFG) und die Luckenwalder Regionalstelle der Industrie- und Handelskammer (IHK) ausgelobt und versicherten schriftlich: „Alle Angaben werden absolut vertraulich behandelt.“
Die Unterlagen wurden teilweise handschriftlich ausgefüllt und tragen Unterschriften und Firmenstempel. Sie enthalten Angaben zu Umsatz- und Mitarbeiterzahlen, zu Ausbildungsplätzen und zum Altersdurchschnitt der Belegschaft sowie zu Investitionen und Produkten.
Als erstes auf die Daten gestoßen war ein kritischer Bürger aus dem Niederen Fläming. Er habe nur die Suchmaschine „Google“ benutzt und hätte die Bewerbungen der Unternehmen abspeichern können, berichtet er. Aus seiner Sicht ein „Datenskandal“ für die SWFG.
Von „Skandal“ sprach auch IHK-Regionalchef Randolf Kluge, als die MAZ ihn gestern über die Sicherheitslücke informierte. Er habe angenommen, dass nur Nutzer mit Passwörtern – vor allem die Wettbewerbsjury – die Daten öffnen können. Das hatte die SWFG, welche die Internetseite betreut, versichert.
Dass die Wirtschaftsförderung aus der Panne lernt, erwarten nun die Unternehmen. „Da wurde handwerklich nicht sorgfältig gearbeitet. Aber ich vertraue darauf, dass dies nicht wieder passiert“, sagte Jürgen Schoepe, Chef von Schoepe-Display in Dahlewitz und Dahme. Es handele sich fast nur um Firmendaten, die auch im Handelsregister nachlesbar seien. Ähnlich sieht es Hans-Joachim Dombrowski von Endres Kraftfahrzeuge in Ludwigsfelde: „Es ist uns kein Schaden entstanden. Aber der Fall bestätigt die Erkenntnis, dass wir immer gläserner werden.“ Reserviert war man bei Nanosolar in Luckenwalde: Kein Kommentar. Seinem Ärger Luft machte Jürgen Reichard, Geschäftsführer der Landfleischerei Apel in Hohenseefeld: „Das ist dreist. Ich habe erwartet, dass unsere Angaben für einen Beitrag verwendet werden – aber nicht so und nicht alle.“
Nach Bekanntwerden der MAZ-Recherche veranlasste SWFG-Chef Herbert Vogler gestern Mittag, dass die Daten sofort aus dem Netz genommen wurden. „Asche aufs Haupt: Wir hatten eine Sicherheitslücke, die wir selbst nicht bemerkt haben“, sagte er. Das technische Problem ist offenbar erkannt worden. Der beauftragte Internet-Dienstleister hat einerseits die Aggressivität der Suchmaschinen unterschätzt, die gezielt bestimmte Datenformate suchen. Andererseits fehlte eine automatische Abmeldung, um einmal geöffnete Dokumente wieder zu schließen. Vogler erwartet, dass der Landesdatenschutz den Vorgang prüfen wird. „So etwas ist zum ersten Mal passiert“, beschwichtigte er, „alle anderen Daten auf unserer Internetseite sind sicher. Das haben wir sofort geprüft.“ (Von Alexander Engels)